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von Seide bis Marco Polo
 

Kirgisistan

Gebirge und Steppe

Kirgisistan ist ein geheimnisvolles, im Westen nahezu unbekanntes Land, durch das die Seidenstrasse führt.

Visum

Kirgisistan: Botschaft der Kirgisischen Republik, Otto-Suhr-Allee 146, 10585 Berlin, Tel. 030/34 78 13 38, Öffnungszeiten: Mo-Fr 8.30-13 Uhr, 14.30-17.30 Uhr, Internet: www.botschaft-kirgisien.de
Je nach Aufenthaltsdauer in Kirgistan können unterschiedliche Visa beantragt werden. Die Kosten betragen zwischen 50-100 Euro. Die Bearbeitungszeit beträgt etwa zehn Werktage, gegen einen Aufpreis ist eine bevorzugte Bearbeitung möglich.Für das Einreisen nach Kirgisistan benötigt man einen Reisepass und ein Visum. Letzteres stellt die Landesvertretung aus. Eine Meldepflicht für Touristen besteht erst nach 60 Tagen Aufenthalt.

Reisen in Kirgisistan

Die Infrastruktur ist nicht sehr gut, dafür sind Busse, Bahnen  und Taxis günstig. Mietwagen bekommt man nur mit Fahrer. Man sollte eines der vielen Trekkingangebote nutzen, die die Gebirgsregionen sehr schön sind. Einheimische Reiseveranstalter sind vielfach günstiger als etwa deutsche. Auch das Kulturprogramm, insbesondere die Oper der Hauptstadt, sind empfehlenswert.
Eine Unterkunft außerhalb der Hauptstadt zu finden ist mitunter schwierig, wenn man westlichen Standard sucht.
Beste Reisezeit findet man im Frühjahr und im Herbst.

Kirgisistan - das Land der Jurten

Eine Jurte kann mit den Zelten, Tipis, der nordamerikanischen Indianer verglichen werden. Allerdings hat sie eine etwas andere Form. Die Jurte besteht aus einem Holzgerüst. Es wird mit Schnüren aus Fellen zusammengebunden. Nägel werden nicht verwendet. Die Jurte wird mit Tierfellen oder mit Filz abgedeckt. In der Mitte des Daches bleibt eine Öffnung frei, Tündük genannt.
Kommt man als Reisender an einer Jurte vorbei, so bekommt man es sogleich mit der Gastfreundschaft der Kirgisen zu tun. Man wird eingeladen, und es ist sehr unhöflich, diese Freundlichkeit abzulehnen. Auf jeden Fall soll man das Gastessen, meist Brot, Obstmus und Stutenmilch probieren. Klar ist, dass man die Gastfreundschaft mit einem Gastgeschenk erwider muss, etwa mit Süßigkeiten oder Gebäck. Man kann auch Spielzeug oder Kosmetik aus der Heimat verschenken.
Heutzutage kann man eine Jurtenunterkunft auch buchen. So gibt es einen Zusammenschluss von Jurtenbesitzern, also von Nomaden, die Jurten für Touristen anbieten. Der Name dieses Zusammenschlusses ist Community Based Tourism (CBT). Sie wird von der privaten Hilfsorganisation Helvetas unterstützt. Über dreiviertel der Einnahmen gehen an die örtlichen Gastgeber; diese müssen, um Mitglied in der CBT zu sein, gewisse Mindeststandards erfüllen. Internetadresse: www.cbtkyrgyzstan.kg/en.
Kirgisistan ist groß, wo also muss man die Nomaden suchen? Das Gebiet um Kochgar fasst die meisten Hochweiden des Landes zusammen. Eine große Nachfrage kann das Gebiet am Fluss Kong-Köl auf über 3000 Meter Seehöhe verzeichnen. An seinem Nordufer gibt es viele Jurten. Im Osten von Kochgor gibt es viele Sommerweiden. Hier ist es ruhiger. Da es wenig Straßen gibt, is in diesem Gebiet allerdings ein Geländewagen notwendig.
Was kostet eine Übernachtung in der Jute? Man muss mit etwa 10 Euro rechnen. Darin eingeschlossen sind sämtliche Mahlzeiten. Klar: Strom und Dusche gibt es nicht. Mitbringen sollte man warme Kleidung und einen Schlafsack. Es ist zudem möglich, ein eigenes Zelt mitzubringen und dann lediglich bei den Nomaden zu essen. Man sollte die Tour, d.h. die Übernachtung, einige Wochen im Voraus buchen. Die Nomaden müssen von der Ankunft in Kenntnis gesetzt werden; und das braucht einige Zeit.
Hat man nun alles klar gemacht, bleibt das Problem, die Jurte zu finden. Eine Infrastruktur ist in den ländlichen Gebieten Kirgisistans fast nicht vorhanden, die Straßen sind schlecht und die Karten ungenau. Hinweistafeln oder Schilder sucht man vergeblich. CBT kann auch hier helfen. Es bietet einen Taxi Service an. Pro Kilometer zahlt man etwa 25 Cent. Man kann sich auch einen englischprachigen Guide, Führer, vermitteln lassen. Das Kostet etwa 12 Euro pro Tag. Die Nomaden sprechen nur in seltenen Fällen Englisch, auch selten Russisch.

Als Individualtourist auf der Seidenstrasse in Kirgisistan

Ein schmaler Schotterweg führt über den Torugart-Pass hinüber nach Kirgisistan. Das zum Pass gehörende Gebirge ist das Tian-Shan. 1991 wurde Kirgisistan in die Unabhängigkeit entlassen, als die Sowjetunion zerfiel. Heute ist das Land eines der ärmsten Länder Zentralasiens. Es ist flächenmäßig halb so groß wie Deutschland und hat etwa 5 Millionen Einwohner. Man reist mit dem Geländewagen über Bischkek, der kirgisischen Hauptstadt, nach Osch. Es geht über Pässe und durch Täler sowie am Hochgebirgssee Ysyk-Köl vorbei. Osch ist die letze Stadt vor der Grenze nach Usbekistan. Man erreicht es auch von Bischkek aus mit dem Flugzeug. Der Flug kostet etwa 60 Euro. Zentrum dieser Stadt ist der Basar "Rote Sonne". Osch liegt im Osten des Fergana-Beckens und ist über 2500 Jahre alt. Heute ist es einer der Hauptumschlagplätze für Opium, das auf einsamen Pfaden über das Pamir-Gebirge nach Kirgisistan geschmuggelt wird. Von hier gelangt es nach Europa. Einen schönen Überblick bietet der Gipfel des Kalksteinberges von Osch, der den Muslimen als Thron Salomons gilt. - Nun ist es nicht mehr weit bis zur usbekischen Grenze.

Kirgistan heute

Kirgistan hat in Zentralasien eine wichtige Stellung. Die USA haben nahe Bischkek eine Basis zur Versorgung der Truppen in Afghanistan. Auch Russland hat dort eine Basis. Die frühere Sowjetrepublik in Zentralasien ist seit 1991 unabhängig. Mit knapp 200.000 Quadratkilometern ist der Staat halb so groß wie Deutschland. Die rund 5,3 Millionen Einwohner sind mehrheitlich sunnitische Muslime.

Politischer Umbruch in Kirgisien

Im April 2010 haben die Kirgisen ihren autoritären Präsidenten Bakijew gestürzt. Er floh ins benachbarte Kasachstan.

In Kirgistan wütete ein blutiger Machtkampf. Mit Brandsätzen und Kalaschnikows haben Tausende Regierungsgegner am 7. April 2010 in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek der autoritären Führung des Präsidenten Kurmanbek Bakijew und seines Familienclans ein Ende bereitet. Es gab mehr als 100 Tote und viele Verletzte. Die Menschen in der ehemaligen Sowjetrepublik an der Grenze zu China bäumten sich mit nicht erwarteter Stärke auf, um das Land vor dem Abgleiten in eine Militärdiktatur zu bewahren. Bakijew flüchtete, fünf Jahre nach seiner sogenannten Tulpenrevolution.

Der 60 jährige Präsident hatte die Hoffnungen der Kirgisen auf demokratische Reformen nicht erfüllt. Der Wohlstand war nicht eingetroffen. Das Hochgebirgsland mit Nomadentradition ist völlig verarmt. Bis zum 7. April 2010 regierten in Kirgisien Gewalt, kriminelle Clans, Vetternwirtschaft, Zensur und tiefe Armut. Den Deutschen ist das Land durch die Literatur des politisch engagierte Schriftstellers Tschingis Aitmatow (1928 bis 2008) bekannt. Er verfasste das Werk "Dshamilija".

"Bekejew, hör auf, deine Landsleute zu erschießen! Dir wird nie jemand verzeihen." Das waren die Worte der Oppositionsführerin Rosa Otunbajewa in einer Internetbotschaft. Sie übernahm am Abend des 7. April die Regierung. Die 59-jährige versprach das Vertrauen des Volkes zurückgewinnen zu wollen. Otunbajewa hatte schon im Jahre 2005 Massen mobilisiert. Sie hatte als Fraktionschefin der Sozialdemokratischen Partei im Parlament Bakijew und seine Partei Ak Schol zuletzt immer wieder angegriffen. Der Chef der Oppositionspartei Ata Meken, Omurbek Tekebajew, ist als neuer Präsident im Gespräch.

Ein Mitarbeiter einer Nichtregierungsorganisation, der nicht genannt werden wollte, erklärte: "Seit Bakijew regiert, sind die Menschen immer ärmer geworden, die Schulbildung liegt am Boden - mehr als die Hälfte der Leute lebt unter dem Existenzminimum, die Proteststimmung ist überall groß." In Bakijews Amtszeit hat die zahl der politischen Morde an Regierungskritikern und Journalisten einen Rekord erreicht.

Die Opposition in Kirgisistan hatte schon nach den Präsidentenwahlen im Sommer 2009 empört Proteste gegen Bakijew angekündigt. Ungeachtet der auch von westlichen Beobachtern als gefälscht kritisierten Abstimmung bliebt die Lage im Land aber ruhig. Was konkret die Protestwelle von April 2010 auslöste, läßt sich nicht sagen. Weil zuletzt auch die in Kirgistan einflußreichen russischen Medien ungewöhnlich scharf Kritik an Bakijew übbten, gab die Führung in Bischkek Moskau die Schuld an der Gewalteskalation. Russlands Regierungschef Wladimir Putin wies dies zurück und warf Bakijew schwere Fehler vor.

In der russischen Hauptstadt lebte der 2005 von Bakijew aus dem Amt gejagte Askar Akajew im Exil. Zwar beklagten viele Kirgisen damals auch unter Akajews Führung Korruption. Doch unter ihm sei es besser gewesen als unter Bakijew.

Kirgisiens Wirtschaft war bisher in den Händen von Bakijews Sohn Maxim. Sein Bruder Schanysch Bakijew kontrollierte das Millitär und die Gewaltapparate. Ein weitere Bruder, Marat Bakijew, war Botschafter in Deutschland.

Ende April 2010 ist der gestürzte kirgisische Präsident Kurmanbek Bakijew in Abwesenheit von der Übergangsregierung Kirgisiens des mehrfachen Mordes angeklagt worden. Die neue politische Führung in Bischkek werde in Weißrussland, wo sich Bakijew im Exil befindet, die Auslieferung des 60-Jährigen beantragen. Das erklärte der Vizeregierungschef am 26. April 2010. Die Übergangsregierung wirft Bakijew zudem Machtmissbrauch vor. Ihm war zuvor die Immunität entzogen worden.

Zwei Monate nach dem Sturz des autoritären kirgisischen Präsidenten Bakijew kommt das zentralasiatische Land an der Grenze zu China immer noch nicht zur Ruhe. Bei blutigen Unruhen in Krigistan kamen am 11. Juni 2010 mindestens 37 Menschen ums Leben. Mehr als 330 weitere wurden verletzt, als sich Jugendliche in der Stadt Osch und Umgebung Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften lieferten. Die Interimsregierung kündigte Ausgangssprerren an.

Seit dem Sturz des autoritären Präsidenten Kurmanbek Bakijew kommt Kirgistan nicht zur Ruhe. So spitzt sich die Lage im Süden zu, der Heimat Bakijews. So kommen dutzende Menschen bei ethnischen Gewaltexzessen zwischen Kirgisen und Usbeken ums Leben.

In der zentralasiatischen Republik hat die neue Führung zwei Monate nach dem Sturz des Präsidenten im Süden des Landes die Kontrolle verloren. Es ereignet sich eine humanitäre Katastrophe in der Region mit der 500.000 Einwohner zählenden Stadt Osch. So brechen alte ethnische Konflikte zwischen Kirgisen und Usbeken aus. Die Menschen im muslimisch geprägten Fergana-Tal müssen sich mit den schwersten Unruhen seit Jahren auseinandersetzen. Seit dem 10. Juni 2010 steigt die Zahl der Toten stetig, es sind über 100. Tausende Usbeken flüchten. Die Übergangsregierung von Rosa Otunbajewa fordert militärischen Beistand aus Russland an, um Herr der Lage zu werden. Russland unterhält eine Militärbasis in Kirgistan, genauso wie die USA. Osch brennt, vom Himmel regnet Asche. Militärhubschrauber kreisen, durch die Straßen rollen Panzer und Geschütze. Kirgisische und russische TV-Sender zeigen vermummte bewaffnete Jugendliche, die brandschatzen und plündern. Sie gehen in Schulen, Geschäfte und Wohnhäuser. Soldaten versuchen, die Situation zu beruhigen, ohne Erfolg. Kirgisische Medien schreiben von Krieg in Osch. Die Regierung hat den Ausnahmezustand verhängt. Gewaltexzesse mit vielen Toten und Verletzen gibt es auch in der Stadt Dschalal-Abad.

Die Gemeinschaft der Usbeken, die in Kirgisistan gut organisiert ist, spricht am 12. Juni 2010 von mehr als 500 Toten und 2000 Verletzten in der Krisenregion. Die Übergangsregierung von Rosa Otunbajewa hat das Militär teilweise mobilisiert. Allerdings fehlt es an Munition und Kampftechnik, daneben herrscht Mangel an Medikamenten und Lebensmitteln.

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