Faszination Seidenstrasse -
von Seide bis Marco Polo
 

Seidenherstellung

Im antiken China


Der Seidenfaden wird vom Maulbeerspinner, lat. Bombyx mori, gesponnen.
In den antiken Zeiten Chinas lagerte man die Eier des Seidenspinner-Weibchens kühl und luftig ab. Kühl bedeutet nicht kalt, und luftig nicht dem Wind ausgesetzt.

Die Kunst der Seidenprodukition

Man besprühte sie im Frühjahr mit lauwarmen Wasser und tauchte sie anschließend in eine Brühe aus Kräutern und Maulbeerasche. Danach zog man sie durch reines Wasser. Die Eier wurden gebürstet und zwischen zwei Fingern massiert. Wenn der kühle Abend kam, deckte man sie mit Kleidern zu, die noch körperwarm waren. Morgens wurden sie mit den warmen Nachtdecken umhüllt. Wenn die Zeit des Schlüpfens kam, wurden die Eier auf Matten in gut klimatisierten, streng sauber gehaltenen Räumen ausgebreitet. Nun konnten die Seidenrauben ausschlüpfen. Die Seidenraupe ist nach ihrer Geburt lediglich 3 Millimeter lang und nicht dicker als ein Haar. Sie besteht aus einem Kopf und Gliedmaßen, die sich am Körper befinden, der an sich nur Darm ist. Die Seidenraupe frist nur die Blätter des Weißen Maulbeerbaumes, lat. Morus alba. Die Chinesen legten deshalb große Plantagen an und züchten Bäume, die sehr viel Blätter trügen. Die Seidenspinnerraupe wurde jede halbe Stunde mit den Blättern gefüttert, die nur von Frauen gepflückt werden durften, die ihre Hände sorgfältig gereinigt hatten. Es bestand der Glaube, die Raupen ekelten sich vor Männern. Die Blätter wurden klein geschnitten, nachdem sie zuvor auf Reinheit untersucht worden waren. Die Seidenspinnerraupe wurde so wie eine Prinzessin behandelt und galt den alten Chinesen auch als solche. Die chinesischen Pflegerinnen zogen sich bis auf die Haut auf um die Temperatur und die Feuchtigkeit der Luft zu kontrollieren. Sie unterhielten sich in der Gegenwart der Raupen nur leise und liefen auf Zehenspitzen. Sie durften nichts Blähendes zu sich nehmen, also vor allem keine Bohnen oder in Öl gebratenes Fleisch. Parfüm war tabu. Auch Frauen in der Schwangerschaft oder Menstruation durften nicht in die Räume der Raupen. Keinesfalls durfte die Seidenraupe mit Metall in Berührung gebracht werden; davon wurde sie krank, hieß es. Ebenso von Zugluft.

Die Seidenraupe häutet sich viermal. Im alten China hieß es, sie müsse vier Tode überstehen. Vier bis fünf Wochen nach ihrer Geburt ist die Raupe etwa 8 Zentimeter lang, fingerdick. Sie wiegt nun das 8000-fache ihres Geburtgewichts. Jetzt kann sie nicht mehr fressen. Aber sie hat auch reichlich Nahrung zu sich genommen. Hat man Raupen von einem Kilogramm beisammen, so benötigt man etwa 25.000 Kilogramm an Maulbeerblättern.

Seidenherstellung als Geheimnis

Die Herstellung von Seide war eines der bestgehüteten Geheimnisse der Weltgeschichte. Wer Eier oder Kokons außer Landes schaffte, wurde im alten China mit dem Tod bestraft. Drei Jahrtausende wurde das Geheimnis von China gehütet, doch dann kam der Verrat. Es war im 5. Jahrhundert n. Chr., als eine chinesische Prinzessin gegen ihren Willen ins weite Khotan (Hotan, eine Wüstenstadt am Rande der Takla Makan), der heutigen chinesischen Provinz Xinjiang verheiratet wurde. In ihrer hochgesteckten Frisur schmuggelte sie Raupen und Maulbeersamen aus dem Land, denn sie wollte im damaligen primitiven Westen nicht auf ihren Luxus verzichten. Im 6. Jahrhundert schmuggelten dann zwei Mönche Eier und Samen in ihren Pilgerstäben nach Byzanz. Seidenraupen wurden später in ganz Europa gezüchtet. Selbst Goethe kam mit ihnen in Berührung: sein Vater frönte dem Hobby der Seidenraupenzucht. Die Europäer konnten jedoch nie die Qualität der Seide aus China erreichen. Auch heute wird in China nur noch an wenigen Orten auf traditionelle Art Seide produziert. Sie sind Großbetrieben gewichen, die die Eier vor dem Schlüpfen an Zuchtfarmen verkaufen. Die Qualität der Seide bleibt hinter der der traditionellen Seidenfarmen zurück. Doch die moderne Webtechnik kann Fehler in den Fäden ausgleichen und unsichtbar machen.

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