Die Schätze der Seidenstrasse
Great Game
Vor etwas mehr als einhundert Jahen lieferten sich Archäologen und Forscher verschiedener Länder einen Wettkampf und Wettlauf um die Schätze der Seidenstrasse.
Aurel Stein
1906 reiste der ungarisch-britische Archäologe Aurel Stein durch die Takla Makan Wüste. Er durchquerte das Tarimbecken auf der Südroute der Seidenstrasse und musste mit seiner Karawane mit Hitze und Kälte kämpfen. Trinkwasser wurde in Eisblöcken mitgeführt. Stein wollte kostbare Schätze aus der Wüste heben. Forscher aus ganz Europa folgten ihm beinahe auf dem Fuß. Stein reist über die im Wüstensand versunkene Stadt Loulan an und erreicht am 12. März 1907 nach 300 weiteren kräftezerenden Kilometern Dunhuang. Stein sucht nach schriftlichen und bildlichen Zeugnissen der buddhistischen Kultur entlang der Seidenstrasse auf Papier, Palmblättern oder Pergament. Er weiß, dass die Weltreligionen sich auf den Wegen der Seidenstrasse Richtung Osten schoben. Im Jahr 148 n. Chr. kommt An Shih-kao, ein buddhistischer Mönch, als erster Vertreter seiner Religion nach der damaligen chinesischen Hauptstadt Luoyang. Er übt sich als Übersetzer sakraler Texte aus dem Sanskrit ins Chinesische. Der Buddhismus hat sich zuvor schon in den Städten am Rand der Taklan Makan niedergelassen. Es entstanden große Klosteranlagen in diesen Oasen, etwa in Khotan, dem heutigen Hotan, in Kujqa und Loulan. Aber auch in Dunhuang. Dort erbauten Möche ab dem 4. Jahrhundert den größten Felsentempel Zentralasiens, die Mogao-Grotten, die Höhlen der tausend Buddhas. Sie sind das Ziel des Archäologen Stein. Am 16. März 1907 startet Stein von Dunhuang in südöstliche Richtung. Er findet eine etwa 1,5 Kilometer lange Felswand, die von einer Vielzahl von Höhlen durchzogen war. An den Wänden dieser Höhlen ist das Leben der Bewohner der Region in bunten Bildern festgehalten. Doch Stein sucht nach einem Gewölbe, in dem sich Handschriften aus jener Zeit befinden. Nach 2 Monaten hat er Erfolg und findet in einem Gewölbe beinahe 15 Kubikmeter gebündelte Handschriften. Stein hat die sagenhafte Bibliothek der Magoa-Grotten entdeckt mit 50.000 verloren geglaubten Schriften, über 1000 Jahre alt. Sie wird bewacht von einem Mönch namens Wang Yuanlu. Der Mönch hatte die Höhle erst sieben Jahre zuvor bei Restaurierungsarbeiten entdeckt. Von den seinerzeit 1000 Höhlen sind heute 500 erhalten. Sie gehören zum Weltkulturerbe. Die Verhandlungen mit dem Mönch Wang Yuanlu über die Herausgabe der Rollen sind schwierig; er hat zunächst kein Vertrauen zu Stein, der sich per Dolmetscher mit ihm verständigen muss. Erst als Stein sich fasziniert über ein Wandgemälde, dass die Reise des buddhistischen Pilgeres Xuanzang darstellt, äußert, wird das Zutrauen des Mönchs zu Stein größer. Stein verspricht schließlich, die Rollen in einen "Tempel
des Lernens" zu geben und erhält daraufhin insgesamt 7000 vollständige Texte und 6000 Fragmente. Die größte Kostbarkeit darunter war sicherlich eine Fassung eines Diamant-Sutras, das als erstes Buchdruckerzeugnis der Menschheitsgeschichte angesehen wird. Stein packt und schickt den Schatz in die Britsh Library in London.
Sven Hedin
Als erster europäischer Forscher traute sich 1895 Sven Hedin, ein Geograf, nach Asien. Er durchquerte die Takla Makan. Anfang des 20. Jahrhunderts reiste er zum zweiten Mal durch die Wüste und brachte viele historische Schätze mit nach Eruopa. Damit gab er das Startsignal für den Wettlauf der Archäologen. Auch Deutschland schickte seine archäologischen "Sportler" ins "Rennen".
Grünwedel und Le Coq
Albert Grünwedel war Direktor der indischen Abteilung des Berliner Völkerkundemuseums. Er gehörte zu den härtesten Konkurrenten Steins. Er näherte sich den historischen Städten jedoch auf der Nordumgehung der Takla Makan. Sie erreichen Turfan, das ehemalige Handelszentrum am Fuss des Tian-Shan-Gebirges. Dort lönnen sie Manuskripte, Wandmalereien und Figuren aus Lehm für den Deutschen Kaiser Wilhelm II "sicherstellen". Dieser rüstete deshalb eine zweite Expedition in das Gebiet um Turkan aus. Albert von Le Coq und Theodor Bartus sind in der Mannschaft. Albert Grünwedel, der erkankt ist, soll nachkommen. Le Coq und Bartus suchen in Xoqo, dem chinesischen Gaochang, einer Ruienenstadt 50 Kilometer südlich von Turfan, die sie im November 1904 erreichen. Sie sind also 3 Jahre vor Stein in jener Gegend. Die Deutschen retten Manuskripte in 24 Schriften und 17 Sprachen. Retten deshalb, weil Bauern die historischen Artefakte, insbesondere die Lehmziegel der Tempel, als Dünger für ihre Felder nutzen und Wassser quer duch die Ruinenstadt leiten, die so nach und nach im wahrsten Sinne des Wortes "zermatscht". Le Coq will den Kaiser nicht enttäuschen und so entschieden sich die Deutschen im März 1905 nach Bezeklik zu gehen. Dabei handelt es sich um ein Felsenkloster, das ähnlich wie Dunhuang in den Fels gehauen ist. Dort stoßen sie auf Wände mit Buddha Darstellungen, vier Meter hoch und in gut erhaltenen Farben. Stück für Stück werden sie demontiert und im Berliner Völkerkundemuseum wieder zusammengesetzt. Le Coq und Bartus besuchen bis August 1905 mehrere
Oasen um Turfan und gelangen dann nach Hami, wo sie einen Brief Grünwedels erhalten, der sein Kommen ankündigt und am 15. Oktober in Kaschgar abgeholt werden möchte; das ist über 1500 Kilometer entfernt. Le Coq möchte aber nach Dunhuang, denn auch er hat zwischenzeitlich von der Bibliothek Kunde erhalten. Er muss sein Vorhaben vor der Ankunft Grünwedels durchführen, denn er rechnet nicht damit, dass dieser ihm sein Vorhaben genehmigen wird. Für die Reise nach Kaschgar veranschlagt Le Coq 17 Tage hin und 17 Tage zurück. Dann pünktlich in Kaschgar zu sein ist nicht möglich. Also beschloss er, das Schicksal entscheiden zu lassen und eine Münze zu werfen. Kopf sollte gewinnen, Schwanz verlieren. Es lag die Seite des chinesischen Talers mit dem Schwanz oben. Le Coq ging nicht nach Dunhuang. So also blieb es zwei Jahre später dem Archäologen Stein vorbehalten, die Bibliothek zu entdecken. Doch auch die Deutschen waren erfolgreich. Auf insgesamt vier Expeditionen haben sie insgesamt 433 Schatzkisten nach Berlin bringen können, darunter manichäische Manuskripte. Sie erforschen die Hölen von Kyzil und finden vollkommen Bilder hellenistischen Stils.
Die Franzosen waren in Kuqa aktiv. Erst 1908 kamen sie nach Dunhuang. Dort erhalten sie vom Mönch Wang 6000 Manuskripte. Auch die Japaner schicken Expeditionen.
China verbietet weitere Expeditionen
Erst im Jahr 1920 gebietet China den europäischen Expeditionen Einhalt. Doch die Schätze der Seidenstraße sind bereits zum größten Teil abtransportiert.
Die im Völkerkundemuseum von Berlin aufgebauten Schätze wurden zu einem großen Teil Opfer des Zweiten Weltkriegs. Fliegerbomben zerstörten größtenteils die Wandmalereien von Bezeklik. Nach dem Ende des Krieges bringen russische Soldaten zudem Lehmskulpturen außer Landes. Weit mehr als die Hälfte aller Exponate aus Turfan gelten heute als verschollen.
Aurel Steins Funde hingegen sind im Depot der Britsh Library und in den Lagerräumen des Britsch Museum versunken. Die Inventarlisten wiesen Lücken auf, vieles kann man heute nicht mehr zuordnen.
International Dunhuang Project
Deshalb wurde das International Dunhuang Projekt ins Leben gerufen. In verschiedenen Ländern werden die zerbrechlichen Schätze der Seidenstraße fotografiert und digitalisiert. Diese Daten werden an eine zentrale Datenbank geschickt. Eine virtuelle Seidenstrasse soll entstehen und ist zum großen Teil schon entstanden, was man sich unter http://idp.bbaw.de ansehen kann. Über zwei Drittel aller Funde sind bereits digital erfasst.
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