Die Geschichte der Seidenstrasse
Dschingis Khan und Marco Polo
Die Geschichte der historischen Seidenstrasse nach der Zeit ihrer Entstehung beginnt mit Alexander dem Großen und geht über Marco Polo und endet mit Vasco da Gama.
Überblick Geschichte
Alexander der Große überquert Anfang 327 v. Chr. den Indus, nachdem er die Gebiete Persiens, des heutige Usbekistans sowie des heutige Nordafghanistan erobert hat. Damals hießen die letzten Gebiete Sogdien und Baktrien.
Zhan Qian wird zum Vater der Seidenstrasse, jedenfalls für die Chinesen. Er bricht im Jahr 139 v. Chr. als chinesischer Gesandter nach Wasten auf, um Verbündete zu finden, die China gegen die Xiongnu, ein Steppenvolk im Nordwesten Chinas, unterstützen sollen. Zhan Qian kann keine millitärischen Verbündete gewinnen, allerdings viele Informationen über unbekannten Gebiete im Westen an den kaiserlichen Hof bringen. Ihm folgen weitere Boten und es werden Handelskontakte geknüpft, Seide bald (etwa 100 Jahre nach Zhan Quian) bis nach Westasien verkauft.
Der römische Schriftsteller Seneca formuliert im 1. Jahrhundert einen geflügelten Satz über die Seide:"... nur damit unsere Frauen der Öffentlichkeit genauso viel von sich zu sehen geben wie den Ehebrechern im Schlafzimmer." Doch Rom ist begeistert von dem neuen Modestoff Seide. Und viele Geschichten ranken sich um die Herkunft. Man erzählt, Seide wachse auf Bäumen. Hintergrund ist, dass die Seide über viele Zwischenhändler von China bis in den Mittelmeerraum tranzportiert wird. Es ist nicht eine Karawana, die die gesamte Länge der Silkroad abtrampelt.
Der chinesische Mönch Xuanzang wandert im Jahr 629 über die Seidenstrasse nach Indien. Er will die heiligen Schriften des Buddhismus studieren. Der Mönch verweilt 16 Jahre im Land am Ganges und bringt 600 Manuskripte mit zurück. Er kehrt in Dunhuang ein und überläßt eine Großteil seiner Schriften der Bibliothek in den "Höhlen der tausend Buddhas". Die Oasenstadt Dunhuang wird zum kulturellen Zentrum und zum Begegnungsort der Religionen. Christen, Juden, Manichäer, Muslime und Zoroastrier finden hier zusammen.
Im 8. Jahrhundert werden Buchara und Samarkand von muslimischen Arabern erobert. Diese Besiehten im Jahr 751 die Chinesen auf dem Gebiet des heutigen Kasachstans, am Ufer des Talas. Der Islam breitet sich aus.
Im Jahre 1275 hat Marco Polo, der Sohn eines venezianischen Kaufmannes, den Hof des Mongolenherrschers Khubilai Khan erreicht - wenn man seine Reiseberichte für authentisch halten darf. Die Mongolen haben weite Teile Chinas erobert. Khubilai verlegt seinen Regierungssitz nach Beijing, damals dann Khanbaliq genannt. Khubilai ist ein Enkel des berühmten Dschingis Khan. Sein Reich zerbröckelt allerdings langsam wieder - es ist zu groß. Die Pax Mongolica, die er mitbrachte, hat allerdings zu Stabilität geführt. Die Wege der Seidenstrasse sind sicherer geworden. Marco Pola war Sonderbotschafter des Großkhans und bereiste als solcher das Großreich. 1367 werden die Mongolen aus China vertrieben.
Es muss um das Jahr 1370 gewesen sein, als der Sultan Timor nach Samarkand kommt und die Stadt zum Zentrum seines Reichs macht. Er ist körperbehindert und wird von seinen Feinden, den Persern, Timur der Lahme genannt. Timur selbst betrachtet sich als muslimischer Nachfolter Dschingis Khans. Er ist ein Kriegsherrscher, der in jahrzehntelangen Kriegen das gesamte Gebiet, in dem der Islam zu Hause war, eroberte. Er ist ein grausamer Herrscher und läßt die Schädel seiner Feinde zu Pyramiden aufschichten. Sein Reich zerfällt bald wieder.
Ende des 14. Jahrhunderts verlagert sich der Handelsverkehr von China aus auf den Seeweg. Das ist sicherer als auf dem Karawanenweg der Seidenstrasse. Der chinesische Admiral Zheng He segelt bald über Indien und Arabien nach Afrika. 1498 entdeckt Vasco da Gama den Seeweg nach Indien von Europa aus. Damit ist der Niedergang der Seidenstrasse als Karawanenroute besiegelt.
Anfang des 20. Jahrhunderts setzt das "Great Game" der Kolonialmächte um die Vorherrschaft in Zentralasien. Besonders engagiert sind Russland und Großbritannien. 1907 entdeckt Aurel Stein, ein Archäologe aus Großbritannien, die Bibliothek in den "Höhlen der tausend Buddhas" bei Dunhuang, nachdem er unter großer Gefahr die Takla Makan durchquert hatte.
Die Oktoberrevulution und die Gründung der Sowjetunion bringt geografische Veränderungen. Die Russen legen willkürliche Grenzen und die Sowjetrepubliken Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan sind gegründet. 1991 werden die Republiken unabhängig. Ihre Grenzen bleiben bestehen.
Im 21. Jahrhundert steht die Seidenstrasse vor einer neuen Ära. Die Überlandrouten sollen wiederbelebt werden. Die EU investierte Millionen in das Projekt Transport Coridor Europe Cuacasus Asia, in die "Neue Seidenstrasse". Damit einher schließen sich andere Länder diesem Bemühen an. Am 6. Juli 2006 wurde der Nathu-La-Pass zwischen Indien und China im Himalaya wieder eroffnet.
Alexander der Grosse
Im Westen war es Alexander der Große, der die große Bedeutung der Seidenstrasse für die Wirtschaft erkannte. Er überschritt im Jahr 329 v. Chr. den Syr Darja und besiegelt mit den Skythen ein Handelsabkommen. So konnten die Karawanen ungestört auf diesen Strassen ziehen.
Je mehr das römische Reich sich ausdehnte, desto mehr baute man den Handel mit dem Osten aus. So verkaufte China ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. immer mehr Seidenerzeugnisse ins Römische Reich. Seide wurde in Rom zu einem beliebten Luxusartikel. Ab etwa 160 v. Chr. trafen Römer am Hof von Kaiser Huangdi ein. Doch die Römer wussten nicht, wie und wo sie sich China vorstellen konnten.
Seit der christlichen Zeitrechnung gab es eine etwa 7000 Kilometer lange Route, die das Römische Reich, das Partherreich, Nordiniden, Zentralasien und China verband und über die Handelsgüter transportiert wurden.
Im Jahr 330 wurde Konstantinopel durch Kaiser Konstantin gegründet. Das führte dazu, dass das Römische Reich noch schneller zerfiel. Seit 395 mit dem Tod Theodosius I gab es ein Weströmisches Reich und ein Oströmisches Reich. Das erstere zerfiel, das letztere wurde immer mächtiger.
Im 3. Jahrhundert profilierte sich der Nordwesten Indiens als Zwischenhändler im Seidenhandel. Die Region kauft Seide aus China und verkaufte sie profitabel ins Römische Reich. Die Handelsbeziehung zwischen Indien und China vertiefte sich gegen Ende der Han-Dynastie noch.
Die chinesischen Kaiser hatten in der Zwischenzeit die Pferde aus dem Fergana-Tal und mit ihnen ihre Armee ausgestattet. So konnten sie ihre Vorherrschaft bis nach Zentralasien ausbauen. China tauschte mit den Indern die Seide gegen Edelmetalle wie Gold und Silber und gegen Edelsteine. Die Inder verkauften die Seide an die Parther und Kushanas, weitere Zwischenhändler, und diese an die Römer.
Das Reich der Parther reichte vom Pamir-Gebirge bis zur Syrischen Wüste, südlich des Kaspischen Meeres, lag also auf der Hälfte des Weges zwischen Abendland und Morgenland. Die Parther erhoben hohe Zölle von den Karawanen. Des weiteren verkauften sie Lebensmittel gegen Gold.
Die Parther verloren im 1. Jahrhundert den Ostteil ihres Reiches an die Kushanas, die aus Nordchina stammte. Auch diese erhoben hohe Zölle von den Karawanen, die die Handelszentren Samarkand und Baktra passierten. Die Parther verloren den Rest ihres Reiches im Jahr 224 an die Sassaniden aus dem Süden Persiens. Die Sassaniden wurden nun ebenfalls Zwischenhändler auf der Seidenstrasse zwischen dem Oströmischen Reich und China. Bald sogar waren sie in der Lage selbst Seide herzustellen, Chinas Geheimnis war enthüllt.
Ab dem Jahre 624 erlebte China unter der nun seit sechs Jahren regierenden Tang-Dynastie einen wirtschaftlichen Aufschwung, der auch den Handel auf der Seidenstrasse blühen ließ.
Das änderte sich erst Ende des 8. Jahrhunderts, als es auf der Seidenstrasse vermehrt zu Überfällen durch muslimische Eroberer kam. Die Ausdehnung islamischer Völker führte zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert zu vielen Veränderungen im Wegenetz der Seidenstrasse. Das byzantinische und sassanidische Reich wurde ab 650 von den Armeen des Islam erobert. Im Jahr 670 erreichten die Araber den Amu Darja, den Oxus. Damit übten sie die Kontrolle der Seidenstrasse vom Mittelmeer bis zum Pamir-Gebirge aus. Im Jahr 751 schlugen sie die Chinesen in Talas, östlich von Samarkand. Anschließend kontrollierten sie Kaschgar. Gleichzeitig drangen die Tibeter in das Tarim-Becken vor.
China erlebte unter der Tang-Dynastie nun einen langen Niedergang. Im 11. und 12. Jahrhundert, als die Song-Dynastie an der Macht war, gab es zwar noch einige kleine Aufschwünge, was den Handel auf der Seidenstrasse anbelangte, das Problem lag aber darin, dass die chinesische Wirtschaft immer mehr von der Seidenproduktion abhängig wurde.
Das Gebiet des alten China war jetzt aufgeteilt unter der Herrschaft der Manschuren im Norden, der Song im Süden und der muslimischen Potentaten im Westen.
Dschingis Khan
Zu Beginn des 13. Jahrhundert überfielen die Mongolen, nomadisierende Stämme aus den Steppen Zentralasiens, das chinesische Reich. Sie wurden geführt von Timurdschin, der um 1167 bis 1227 lebte. Er führte später den Titel Dschingis Khan. Das bedeutet „universeller Herrscher“ oder „Herrscher der Meere“. Mit der mongolischen Eroberung unter Dschingis Khan kam der Handel auf der Seidenstrasse wieder in Gang. Die Mongolen tauschten Seide gegen Edelsteine, Sklaven und Duftstoffe. Im Jahr 1215 hatte Dschingis Khan Beijing, Peking, erobert. Im Jahr 1220 überfielen die Mongolen Russisch-Turkestan, ein Jahr später standen sie im Kaukasus. China war nun in das mongolische „Reich der Steppe“ eingegliedert, das von Korea über Nordchina, Burma, Tonkin und Persien bis Osteuropa reichte, als den größten Teil Asiens bedeckte.
Europa fühlte sich durch die mongolische Expansion bedroht. Doch die Mongolen, die nun Beijing, Peking, zur Hauptstadt des neuen Reichs gemacht hatten, öffneten sich gegenüber Fremden und empfingen katholische Missionare aus Europa an ihrem Hof. So war der Fanziskaner Johannes von Plano Carpini von 1245 bis 1246 zu Besuch in China und 1252 der Fanziskaner Wilhelm von Rubruk. Papst Innozenz IV. hatte sie beauftragt, dem Großkhan eine Grußbotschaft zu übermitteln. Hintergrund war ein erstrebtes Bündnis mit den Mongolen, um die Araber und Seldschuken nach dem Scheitern der Kreuzzüge von zwei Seiten angehen zu können. Man vermutete zudem in Zentralasien das legendäre christliche Königreich von Priester Johannes. Die Verhandlungen dauerten jedoch lang und es kamen nun venezianische Kaufleute in das mongolische Reich der Mitte. Mit Abschluss ihrer Eroberungen konzentrierten sich die Mongolen wieder auf den Handel auf der alten Seidenstrasse aus der Han-Dynastie und Tang-Dynastie. Wichtig war ihnen auch der Schutz der Karawanen.
Marco Polo
Auch Europa zeigte wieder Interesse an der Seidenstrasse. Für den Handel gab es jedoch zwei entscheidende Hindernisse. Einmal die Türken, die zur neuen Macht in Asien geworden waren, und die zahlreichen arabischen Zwischenhändler, die an der Seidenstrasse und Gewürzroute eine Monopolstellung einnahmen. Die europäischen Kaufleute hielten es deshalb für einfacher, China auf einer nördlichen Route durch das Reich der Mongolen zu erreichen. Der mongolische Friede, die Pax Mongolica, war der entscheidende Auslöser für viele italienische Kaufleute, den Handel mit Asien zu forcieren. Es waren besonders Venezianer, wie die Brüder Maffeo und Niccolò Polo uns dessen Sohn Marco, die hier brillierten. Aber auch Kaufleute aus Genua beschickten die jetzt sicheren Handelsrouten nach Asien. Sie schufen auf der Krim, dem westlichen Endpunkt der Seidenstrasse, Handelsniederlassungen und gründeten Kolonien in Turkestan, China und Ostindien. So wurde die Seidenstrasse für Europa erneut der Zugang zu Asien.
Vasco da Gama
Im 14. Jahrhundert setzte eine Wende für die Seidenstrasse in. Das Reisen über Land wurde immer gefährlicher und damit unwirtschaftlich. Der Handel über den Seeweg ersetzte den Handel über die Seidenstrasse mehr und mehr. Zwar wurden von den Chinesen die Handelsbeziehungen zu Russland, d.h. Moskau, bis zum Ende des 14. Jahrhunderts aufrecht erhalten, allerdings nutzen sie eine Route nördlich der alten Seidenstrasse. Damit war der Niedergang der alten Seidenstrasse nicht mehr aufzuhalten. Es war im Jahr 1498 Vasco da Gama, der den Seeweg von Europa nach Indien über das Kap der guten Hoffnung fand.
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