Faszination Seidenstrasse -
von Seide bis Marco Polo
 

Reisen auf der Seidenstrasse

Historische Reise im 13. Jahrhundert

Reisen auf der Seidenstrasse ist ein Abenteuer. Wie es sich heute gestaltet, ist hier näher beschrieben: Reisen Seidenstrasse.

Wie aber verlief eine Reise auf der Seidenstrasse im 13. Jahrhundert?

Erster Abschnitt der Seidenstrasse

Der erste Abschnitt der Seidenstrasse führte von der ehemaligen Hauptstadt Chang’an, heute Xi’an an den Gelben Fluss, den Hwangho, bei Lanzhou. Lanzhou war eine der wichtigsten Stationen auf der Seidenstrasse. Von hier führte die Seidenstrasse Richtung Nordwesten am Südrand der Wüste Gobi entlang. Auf dem Weg liegt Wuwei, bekannt als die Silberstadt und als östliche Pforte nach Gansu, dem heutigen Hexi, einem fruchtbaren Gebiet umgeben von karger Berglandschaft. Als nächstes wird das bedeutende Handelszentrum Zhangye passiert. Zhangye ist der Kornspeicher von Gansu. Danach erreichte man Jiuquan, einen Kreuzungspunkt der Seidenstrasse. Diese Stadt beherbergte eine Garnison, die für den Schutz der Seidenstrasse zuständig war. Weiter 100 Kilometer weiter und man war in Jiayuguan. Hier befand sich der westlichste Punkt der Chinesischen Mauer. Sie wurde während der Ming-Dynastie, die von 1368 bis 1644 währte, vollendet. Jiayuguan liegt in einem fruchtbaren Tal und hatte für die Seidenstrasse eine besondere strategische Bedeutung. Nächste Station war Dunhuang, die letzte Oase vor der Taklamakan-Wüste. Der aus dem Altuigurischen stammende Name der Taklamakan-Wüste bedeutet „Von wo man nicht zurückkehrt“. Die Taklamakan-Wüste besteht aus Dünen, die ständig wandern und schon viele Städte im Laufe der Jahrtausende unter sich begraben haben. Die Chinesen sahen Dunhuang als letzten Vorposten der zivilisierten Welt an. Berühmt ist Dunhuang für seine Obstgärten.

Taklamakan Wüste

Von Dunhuang aus konnte man zwischen drei Hauptrouten wählen, die alle Taklamakan-Wüste umgingen.
Die Südroute ist die älteste Strecke. Sie verläuft an den nördlichen Ausläufern der Kunlun-Berge, die die Grenze nach Tibet bilden, und schlägt dann die Richtung auf das Karakorum-Gebirge und die Hochtäler im heutigen Pakistan ein. Dann führt die Strecke über das Pamir-Gebirge nach Indien, weiter nach Afghanistan und durch das zentralasiatische Russland bis zum östlichen Mittelmeer.
Die Zentralroute führte an den südlichen Ausläufern des Tian-Shan-Gebirges entlang und traf in Kaschgar auf die Südroute, bevor das Pamir-Gebirge überquert wurde.
Die Nordroute verlief durch die Steppen Zentralasiens, am nördlichen Ausläufer des Tian-Shan-Gebirges vorbei und schlängelte sich durch das Ili-Tal, Bischkek, Taschkent, Samarkand, Buchara und Astrachan bis hin zum Schwarzen Meer.
Süd-, Zentral- und Nordroute besitzen auf dem chinesischen Teil der Seidenstrasse an mehreren Orten kürzere Verbindungsrouten.
Die drei Routen überwanden verschneite Gebirge, lange Wüstenstreifen, stellten den gefährlichsten und beschwerlichsten Teil der Seidenstrasse dar. Sie dienten über 12 Jahrhunderte hinweg vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 10. Jahrhundert n. Chr. dem chinesischen Reich als einzige Handelsroute nach der westlichen Welt.

Die Südroute

Zurück nach Dunhuang. Wählte man die Südroute, so kam man als nächstes nach Loulan, einer alten Festungsstadt, die nordöstlich des heutigen Ruoqiang gelegen war. Heute gibt es Loulan nicht mehr. Die Stadt ist von der Wüste eingenommen worden. Man findet nur noch Ruinen von großen Speichern, von prunkvollen Palästen und Tempeln. Loulan war ein Knotenpunkt der Seidenstrasse. Von Loulan aus musste man nun gen Westen die Geröllwüste Lob Nor durchqueren und kam dann in die Stadt Miran, die im heutigen Distrikt Ruoqiang liegt. Während der Han-Dynastie war Miran dem alten Shanshan-Reich zugehörig, hatte prunkvolle buddhistische Tempel, hohe Wachtürume und ein weitreichendes Bewässerungssystem. Von Miran führte die Seidenstrasse nach Niya, dem heutigen Minfeng. Früher war Niya berühmt wegen seines Obstes und Weins. Heute sieht man nur Ruinen inmitten der Taklamakan-Wüste; diese liegen 150 Kilometer nördlich des heutigen Minfeng. Hinter Niya begann das Territorium von Yutan, heute Hotan. Yutan war im 2. Jahrhundert v. Chr. ein wohlhabender Staat. Er wurde im 7. bis 10. Jahrhundert n. Chr. ein buddhistischer Staat. In der Han-Zeit war Yutan ein großes Gewerbezentrum. Heute ist Hotan die Hauptstadt der chinesischen Seidenproduktion, der Jade, des Brokats und der Teppichknüpferei.
Von Yutan ging es weiter über Yarkand und Kaschgar, bis man die Hochebenen des Pamir-Gebirges erreichte. Bereits von weitem sah man den berühmten „Steinernen Turm“, eine Garnisonsstadt, die auf 3500 Meter Höhe lag. Heute weiß man nicht mehr, wo diese Stadt genau lag, nur, dass sie nörlich von Taschkurghan zu suchen war, am östlichen Rand Baktriens. Hier tauschten die Karawanen aus China ihre Lieferungen an Perser, Sassaniden, Kushanas oder Araber aus. Vielleicht war der „Steinerne Turm“ identisch mit Taschkurghan oder Taschkent, denn beides bedeutet übersetzt „Steinerne Burg“. Eventuell lag die Stadt auch bei Yarkand am Osthang des Pamir oder westlich von Kaschgar. Auf dem Pfad durch das Pamir-Gebirge gab es viele befestigte Posten, die Kurieren als Ruheort dienten und wo sie mit frischen Reittieren versorgt wurden.

Die Zentralroute

Wählte man die zentrale Route ab der Oase Dunhuang, so kam man als nächstes zur Oase Hami, heute Yiwu. Die Route war mit vielen Wachtürmen versehen, auf deren Spitzen man nachts als Wegweiser Feuer entfachte. Die Städte Gaochang, die in der Nähe des heutigen Turfan lag und  Jiaohe waren die nächsten Fixpunke auf der Seidenstrasse. Gaochang wurde im 1. Jahrhundet v. Chr. gegründet. Sie lag am Ufer des Aydingkol-Ses, 154 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Durchschnittstemperatur im Sommer beträgt 40 ° C, am Boden sogar 80 ° C. Die Senke heißt deshalb auch das Feuerbecken und die umliegenden Berge Feuerberge. Bis ins 14. Jahrhundert war Gaochang eine mächtige Stadt.  Die Stadt Jiahoe lag auf einem Hochplateau im Yarnaz-Tal.  Während der Tang-Dynastie saß hier ein Statthalter. Heute gibt es in Jiahoe nur Ruinen und Trümmer. Der Weg der Seidenstrasse verlief weiter nach Westen nach Korla. Das war ein wichtiger Kreuzpunkt der Seidenstrasse, dann führte die Route über Karachar, dem heutigen Yanqi, und Kucha nach Aksu. Aksu liegt nördlich der Taklamakan-Wüste am Fuß des Tian-Shan-Gebirges. Hier wurden Wassermelonen und Obst angebaut. Weiter ging es nach der Oasenstadt Kaschgar. Sie hieß zur Zeit der Han-Dynastie Shule. Kaschgar war die letzte strategische Raststation vor dem Pamir-Gebirge. Hier traf die südliche mit der zentralen Route der Seidenstrasse zusammen. Kaschgar war auch die Grenze zwischen Buddhismus und Islam. Hier finden sich Moscheen und buddhistische Tempel. Kaschgar war das erste islamische Zentrum von Xinjiang. Im Mittelpunkt stand die große Aitigar Moschee.
In Kaschgar teilte sich die Seidenstrasse erneut. Die eine Richtung führte nach Süden über den Karakorum nach Gilgit und Peschawar. Der Weg ging über den Khunjerab-Pass und vorbei am K2 nach pakistan und über den Khaiberpass nach Peschawar. Nun konnte man östlich durch das Indus-Tal über Islamabad, Amritsar, Agra, Benares und Kalkutta reisen, oder westlich nach Kabul, Afghanistan, Herat und Mesched, um auf die durch Taschkent stoßende Route zu treffen, und weiter über Teheran nach Persien und Bagdad. Bagdad war für Karawanen einfach nicht zu umgehen. Alle Wege in Persien führten nach Bagdad. Von Bagdad führte diese Route der Seidenstrasse über das anatolische Hochland. Im Land der Seldschuken gab es viele Karawansereien. Weiter führte der Weg Richtung Konstantinopel.
In Kabul gab es wiederum eine Verzweigung der Seidenstrasse. Man konnte auch nach Südwesten über Belutschistan, Schiras und Isfahan nach Teheran reisen.
Die andere Route von Kaschgar aus führte nach Westen in Richtung Taschkent und die legendäre Oasenstadt Samarkand. In Taschkent traf sie mit der Nordroute zusammen. Von Kaschgar aus ging es über den Syr Darja, von Samarkand über Buchara und den Oxus, den Amu Darja, hinauf. Das Kaspische Meer wurde nördlich über Astrachan, Tiflis und Erzurum bis Konstantinopel umgangen. Man konnte den Oxus aber auch überqueren und über Baktrien mit der Hauptstadt Balkh oder Antiochia, dem heutigen Merw, in Turkmenistan und über Raj bei Teheran weiterreisen. Von Raj bestand die Möglichkeit durch das fruchtbare Mesopotamien über Ktesiphon und Anatolien nach Konstantinopel oder über Tyros nach Antiochia zu reisen. Eine weitere Möglichkeit war die Route am Kaspischen Meer entlang nach Erzurum und Trapezunt am Schwarzen Meer.

Die Nordroute

Hinter der Oase Hami, heute Yuwi, begann die Nordroute der Seidenstrasse. Sie wurde während der Han-Dynastie zum ersten Mal genutzt. Die Handelskarawanen nutzen sie aber erst ab dem 7. Jahrhundert in großem Stil. Die Stadt Barkol war während der Han-Dynastie ein bedeutendes Handelszentrum. Weiter im Norden galt gleiches von Dahe während der Tang-Dynastie. Heute gibt es in Dahe nur noch Ruinen. Tinghzou, das heutige Jimsar, war während der Tang-Dynastie ein Militärstützpunkt. Ein wichtiger Kreuzpunkt war Urumchi. Weiterer Stützpunkt war Changji am Manas-Fluß. Die Handeslsstadt Gongyue im Ili-Tal war aufgrund ihres kalten-trockenen Kontinentalklimas bekannt für seinen Ackerbau. Schließlich war Kokand die erste Station auf der von Taschkent nach Osteuropa führenden Straße von Almaty.

Mittelmeer

Von den Häfen am Bosporus, der Ägäis, in Alexandria, Akko, Alexandrette oder Konstantinopel wurden die auf der Seidenstrasse transportierten Waren über das Mittelmeer nach Venedig und Genua, den bedeutendsten Endstationen der Seidenstrasse, verschifft.

Forum Seidenstrasse
Fragen und Antworten zum Thema Reisen, Seide, Marco Polo...
Impressum
www.abenteuer-seidenstrasse.de